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Eine Harfe, ein Neuanfang und noch viel vor

Ein Umzug ins Alterszentrum verändert vieles: die vertraute Umgebung, den Alltag und das Zusammenleben mit anderen Menschen. Was bleibt vom bisherigen Leben, und was kann neu dazukommen? Für Heidy Bandri war der Wechsel ins heutige Convivo Kriens zunächst schwierig. Heute gehören vertraute Aufgaben zu ihrem Alltag – und ein Instrument, das sie erst hier entdeckt hat.

Wenn Heidy Bandri auf ihrer Zauberharfe spielt, konzentriert sie sich ganz auf die Musik. Alles andere tritt für einen Moment in den Hintergrund. Dabei hatte die 82-Jährige eigentlich wieder Panflöte spielen wollen. Nun lernt sie auf der Harfe immer neue Stücke.

Dass sie einmal hier wohnen und ein neues Instrument lernen würde, war vor ihrem Eintritt nicht absehbar. Dreizehn Jahre lang lebte Heidy Bandri in ihrer Wohnung in Kriens. Sie führte ihren Haushalt, sammelte leidenschaftlich Pilze und Kräuter und engagierte sich bei Pro Senectute. Mit anderen Menschen in Frieden zu leben und der Natur Sorge zu tragen, war ihr wichtig – und ist es bis heute.

Das Ankommen braucht Zeit

Nach einem Sturz und einem Spitalaufenthalt konnte Heidy Bandri nicht mehr in ihre Wohnung zurückkehren. Der Umzug ins heutige Convivo Kriens bedeutete, vieles zurückzulassen und sich in einer ungewohnten Umgebung zurechtzufinden. «Der Tag des Einzugs war nicht einfach.»

Die unterschiedlichen Lebenssituationen der Menschen auf ihrer Abteilung verunsicherten sie zunächst. Gleichzeitig beeindruckten sie die Mitarbeitenden. Dass jemand etwas für sie machte, war sie nicht gewohnt. Sie fragte sich auch, ob sie ihnen nicht zur Last falle.

Einige ihrer Lieblingsstücke konnte sie mitnehmen. Dazu gehört eine Familie aus Keramikentchen, die heute in ihrem Zimmer steht. Auch der Blick ins Grüne half ihr beim Ankommen: Als sie ihn zum ersten Mal sah, war sie erleichtert. Bis sie sich nicht mehr als Gast fühlte, brauchte es dennoch Zeit.

Heidy Bandri beschreibt sich als zurückhaltend, solange sie jemanden noch nicht kennt. Erst wenn Vertrauen entsteht, taut sie auf. Auch am neuen Wohnort musste dieses Vertrauen zunächst wachsen.

Den Alltag mitgestalten

«Am Anfang dachte ich, ich würde nur noch herumsitzen.» Inzwischen hat Heidy Bandri Aufgaben gefunden, mit denen sie zum gemeinsamen Alltag beiträgt. Morgens öffnet sie im Abteilungsstübli die Vorhänge und schaut, ob fürs Frühstück alles bereitsteht. Im Garten Zunacher kümmert sie sich um Hochbeete, Pfefferminze und Johannisbeeren. Die Freude an der Natur hat auch am neuen Wohnort ihren Platz.

Heidy Bandri ist gerne beschäftigt und macht anderen gerne eine Freude. Einmal röstete sie Marroni für die ganze Abteilung. Nach dem Znacht bekamen alle ihr eigenes Säckli.

Dabei ist ihr wichtig, selbständig zu bleiben. Dass sie sich beim Weggehen anfangs abmelden musste, störte sie. Sie sprach es an; heute ist das nicht mehr nötig. «Für mich ist wichtig, dass man Probleme klären kann und danach trotzdem gut miteinander bleibt», sagt sie überzeugt.

Ein Instrument, das zu ihr passt

Nicht alles, was Heidy Bandri früher gerne tat, ist heute noch möglich. Für das Panflötenspiel fehlt ihr die Luft. Anke Daver von der Freizeitgestaltung stellte ihr deshalb die Zauberharfe vor und sorgte dafür, dass sie ein eigenes Instrument zum Üben erhielt.

«Das war Liebe auf den ersten Blick. Ich sagte zu mir: So, Heidy, jetzt hast du dein Instrument gefunden.»

Heidy Bandri übte, bis ihr «Am Brunnen vor dem Tore» fehlerfrei gelang. Dieses erste Erfolgserlebnis gab ihr Schwung, weiterzulernen. Inzwischen besucht sie jeden Dienstag einen Harfenkurs, an dem auch Menschen von ausserhalb teilnehmen. Manchmal spielt sie ihren Mitbewohnenden ein Stück vor und lässt sie raten, welches Lied es ist. So wird aus dem Üben für sich selbst auch ein gemeinsamer Moment.

Zwei Mappen voller neuer Harfenstücke warten noch auf Heidy Bandri. Andere mögen es ruhiger oder setzen andere Schwerpunkte – auch dafür ist bei Convivo Kriens Raum.

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